von
Marcel Dresse
Der Wohnungsbau in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland hat in den letzten Jahren erheblich unter der rückläufigen Nachfrage gelitten. Seit 2022 verzeichnen alle vier Länder einen starken Rückgang bei Baugenehmigungen, Baubeginnen und Fertigstellungen. Aktuelle Daten und Prognosen deuten jedoch darauf hin, dass sich die Marktbedingungen verbessern und gleichzeitig die Entwicklungen in der Region zunehmend auseinandergehen.
Baugenehmigungen: Erholung in Dänemark und Schweden, anhaltende Schwäche in Finnland
Bei den Baugenehmigungen für Wohngebäude sind erste positive Signale zu erkennen. Dänemark verzeichnete kürzlich einen Anstieg der erteilten Genehmigungen, ebenso wie Schweden, wo die Genehmigungen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 9 % zunahmen. In Norwegen blieb die Entwicklung weitgehend stabil, ohne dass sich eine klare Wachstumsdynamik abzeichnete.
Finnland hingegen hinkt weiterhin hinterher. Dort gingen die Genehmigungen im Jahr 2025 erneut um rund 13 % zurück, was darauf hindeutet, dass die Krise auf dem finnischen Wohnungsmarkt noch lange nicht vorbei ist. Während die Prognosen für alle vier Länder bis 2026 steigende Genehmigungszahlen erwarten lassen, bleibt das Ausgangsniveau in Finnland sehr niedrig.
Baubeginne: Starke Dynamik in Schweden, moderate Erholung in Norwegen
Die Entwicklung der Baubeginne spiegelt die verzögerten Auswirkungen der Baugenehmigungen wider. In Dänemark wird für 2025 ein Anstieg der Baubeginne im Wohnungsbau um rund 11 % erwartet. Schweden verzeichnet mit einem prognostizierten Wachstum der Baubeginne um etwa 23 % die stärkste Erholung. Zusätzlich zu den neuen Genehmigungen werden nun auch Projekte realisiert, die in den Vorjahren genehmigt, aber noch nicht umgesetzt wurden.
Auch in Norwegen wird ein moderater Anstieg der Wohnungsbaubeginne um rund 4 % erwartet. Finnland bildet erneut eine Ausnahme: Die Wohnungsbaubeginne bleiben aufgrund der sehr geringen Zahl der in den letzten Jahren erteilten Genehmigungen schwach, sodass wenig Spielraum für eine kurzfristige Erholung bleibt.
Fertigstellungen: Tiefpunkt im Jahr 2025, vorsichtige Erholung ab 2026
Die Auswirkungen des Abschwungs sind besonders deutlich bei den Fertigstellungen von Wohngebäuden zu sehen. Alle vier Länder verzeichneten 2023 und 2024 einen deutlichen Rückgang der Fertigstellungen. Auch für das Jahr 2025 wird eine schwache Entwicklung erwartet, da sich der starke Rückgang der Genehmigungen in den Vorjahren weiterhin auswirkt.
Ab 2026 wird eine vorsichtige Erholung erwartet. In Dänemark und Schweden wird ein Anstieg der Fertigstellungen im Wohnungsbau um rund 6 % prognostiziert. In Norwegen dürfte die Lage weitgehend stabil bleiben, während in Finnland ein weiterer Rückgang zu erwarten ist, wodurch sich der Abstand zu den anderen nordischen Märkten weiter vergrößern würde.
Fertiggestellte Wohnungen pro 1.000 Einwohner: Weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau
Ein Blick auf die Zahl der fertiggestellten Wohnungen pro 1.000 Einwohner verdeutlicht das Ausmaß des Abschwungs. Obwohl die nordischen Länder 2023 noch deutlich über dem deutschen Referenzwert von 2,6 Wohnungen pro 1.000 Einwohner lagen, ist die Bautätigkeit seitdem stark zurückgegangen.
In Dänemark sank die Zahl von 6,5 im Jahr 2023 auf 4,2 im Jahr 2025 und erreichte damit ihren derzeitigen Tiefpunkt. Bis 2028 wird eine Erholung auf etwa 4,8 erwartet. Schweden folgt einem ähnlichen Muster: Nach einem Wert von 7,4 Wohnungen pro 1.000 Einwohner im Jahr 2023 sank die Zahl auf 3,8 und wird mittelfristig voraussichtlich wieder auf etwa 4,4 steigen.
Finnland verzeichnete einen besonders starken Rückgang von 7,3 auf 2,7 Wohnungen pro 1.000 Einwohner, wobei nur eine langsame Erholung zu erwarten ist. Norwegen bleibt insgesamt auf einem niedrigeren Niveau, zeigt aber ebenfalls erste Anzeichen einer allmählichen Verbesserung.
Fazit: Ein uneinheitliches Bild in der nordischen Region
Insgesamt zeichnen sich erste Anzeichen einer Erholung auf dem nordischen Wohnungsmarkt ab, insbesondere in Dänemark und Schweden, wo ab 2026 mit steigenden Baugenehmigungen, Baubeginnen und Fertigstellungen zu rechnen ist. Norwegen befindet sich in einer Übergangsphase und zeigt eine moderate Stabilisierung. Finnland bleibt jedoch klarer Nachzügler: Die Krise hält an, und laut B+L-Prognosen ist vor 2027 keine nachhaltige Erholung zu erwarten.