von
Marcel Dresse
Die norwegische Bauindustrie stand in den letzten Jahren unter erheblichem Druck, was in erster Linie auf einen starken Rückgang der Neubautätigkeit zurückzuführen ist. Die sinkende Nachfrage, insbesondere im Wohnungsbau, hat den Markt stark belastet und zu einer historisch schwachen Stimmung unter den Bauunternehmen geführt.
Geschäftsklima auf historischem Tiefstand
Laut den jüngsten Geschäftsklimaindikatoren des norwegischen Industrieverbands (NHO) erreichte die Stimmung im Bausektor Ende 2025 einen historischen Tiefstand. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Marktsituation als auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind äußerst negativ. Der Gesamtindikator für Bauunternehmen liegt bei etwa –40, was auf ein sehr schwaches Marktumfeld hindeutet.
Die Bauzulieferindustrie zeigt ein ähnliches Bild: Die Zulieferer bewerten die Marktbedingungen als extrem schwach, wobei der Indikator mit rund –80 einen der niedrigsten jemals verzeichneten Werte erreicht. Die Daten bestätigen, dass der norwegische Baumarkt weiterhin unter starkem Druck steht.
Kosten steigen trotz schwacher Nachfrage weiter
Während die Bautätigkeit zurückgeht, steigen die Preise weiter an. Insbesondere die Materialpreise sind seit 2021 und 2022 stark gestiegen, was sich sowohl auf den Wohnungsbau als auch auf den Mehrfamilienhausbau auswirkt. Die Gesamtbaukosten (einschließlich Material und Arbeitskräfte) sind ebenfalls gestiegen, wenn auch weniger stark als die Materialpreise, da sie die Arbeitskosten enthalten, die einen moderateren Anstieg verzeichneten.
Insgesamt war die Materialpreisinflation der Hauptgrund für den Anstieg der Baukosten in Norwegen. Infolgedessen sehen sich die Unternehmen einem höheren Kostendruck ausgesetzt, obwohl die Nachfrage nach Neubauten weiterhin schwach ist.
Zwei-Geschwindigkeiten-Markt: Hochbau vs. Tiefbau
Die Umsatzdaten des norwegischen Statistikamtes zeigen eine zunehmende Divergenz innerhalb des Bausektors. Im Jahr 2024 ging der Umsatz im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau um rund 7 % zurück. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Tiefbau dank starker öffentlicher Investitionen ein Wachstum von etwa 2 %.
Öffentliche Ausgaben für Infrastrukturprojekte wie Straßen, Verkehrsnetze, Energieinfrastruktur und Versorgungsunternehmen stützen weiterhin die Aktivitäten im Tiefbau. Dieser Trend dürfte sich bis 2025 fortsetzen, wodurch der Tiefbau deutlich widerstandsfähiger ist als der Hochbau.
Infolgedessen ist der norwegische Baumarkt derzeit durch zwei unterschiedliche Segmente gekennzeichnet: einen schwachen und volatilen Wohn- und Nichtwohnungsbau sowie einen stabileren Tiefbausektor mit längeren Projektlaufzeiten und geringerer Sensibilität gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen.
Ausblick: Schwaches Jahr 2025, moderate Erholung für 2026 erwartet
Im Dezember 2025 wurden die Prognosen von B+L für den norwegischen Baumarkt revidiert. Für 2025 wird nun ein Rückgang der Bauinvestitionen um rund 2,4 % erwartet, was die schwächer als erwartet ausgefallenen Marktbedingungen widerspiegelt. Dies ist ein pessimistischerer Ausblick als zuvor angenommen.
Für 2026 haben sich die Erwartungen jedoch leicht verbessert. Die Bauinvestitionen sollen um rund 2 % wachsen, was darauf hindeutet, dass die Erholung länger dauern wird, sich aber im kommenden Jahr allmählich durchsetzen könnte.
Erste Anzeichen einer Stabilisierung bei den Baubeginnen
Trotz des insgesamt schwachen Umfelds gibt es erste Anzeichen für eine Stabilisierung im Wohnungsbau. Nach einem starken Rückgang der Wohnungsbaubeginne in den Jahren 2023 und 2024 wurde 2025 ein leichter Anstieg verzeichnet. Das absolute Niveau ist zwar nach wie vor sehr niedrig – mit weniger als 20.000 Wohnungen im Vergleich zu mehr als 30.000 in Spitzenjahren wie 2020 –, doch deutet die Aufwärtsbewegung darauf hin, dass die Talsohle erreicht sein könnte.
Obwohl der Markt weiterhin unter Druck steht, dürfte der jüngste Anstieg der Projektstarts die Investitionstätigkeit und die Bautätigkeit im Jahr 2026 stützen.
Fazit: Langsame und ungleichmäßige Erholung
Der norwegische Baumarkt befindet sich weiterhin in einer schwierigen Phase, da der Wohnungs- und Nichtwohnungsbau unter starkem Druck steht und die Stimmung der Unternehmen auf einem historischen Tiefstand ist. Trotz der schwachen Nachfrage stellen steigende Kosten weiterhin eine Herausforderung für die Unternehmen dar. Der Tiefbau, der durch öffentliche Investitionen gestützt wird, bleibt die stabilisierende Kraft innerhalb des Sektors.
Während für 2025 weiterhin eine schwache Entwicklung erwartet wird, deuten erste Anzeichen einer Erholung bei den Wohnungsbaubeginnen und verbesserte Investitionsaussichten für 2026 eher auf eine langsame und allmähliche Trendwende als auf eine rasche Erholung hin.
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